Dr. Klaus Pawlowski

Rhetorik  und Satire

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 Zeitnah nachhaltig


Das schöne Wort „nachhaltig“ wird fürs Gestalten

von Bedingungen nachhaltig vorgehalten.

Nachhaltig ist, was man zeitnah so macht

und was nachher noch vorhält,sagen wir bis um  acht.


So sind Steuersenkungen für unser Land,

sagt Herr Lindner, nachhaltig systemrelevant.

Doch wegen des Zeitfensters wissen wir nicht ,

ob das nachhält, was sie uns zeitnah verspricht.


Das verwirrt mich nicht mehr. Doch find’ ich privat

Nachhaltigkeit nahzeitlich sehr delikat.

Was meine Liebste mir zeitnah  verspricht,

nachhaltig zu halten, gelingt ihr meist nicht.


Doch ich soll bei zeitnahen Schmuserei’n

wenn meine Zeit nah ist, noch nachhaltig sein.

Danach halt ich mich wieder zeitnah bereit.

Sonst beklagt sie noch mangelnde Nachhaltigkeit.


Die Zeit naht, da werde ich nachhaltig alt.

Zeitnah  seh’ ich’s an Gesicht und Gestalt.

Mein Zeitfenster ist eben nicht mehr so breit.

Doch hoffe ich auf etwas Nachhaltigkeit,


wenn ich zeitnah jogge und mich wenig stresse

und ballaststoffreich, also nachhaltig esse.

Ja, schwer ist’s, Nachhaltigkeit vorzuhalten  

und nachhaltig besser, zeitnah zu gestalten.


Wie dieses Gedicht, das kaum nachhaltig ist.

Mich stört es nicht, wenn man es zeitnah vergisst.



Elvira

Wer sitzt schon so früh im Opel Zafira?

Es ist der Hartmut mit seiner Elvira.

Sie fahren zu Ostern nach Bad Gastein

und biegen gleich auf die Autobahn ein.


„Elvira, was birgst du so bang dein Gesicht?“

„Ach Hartmut, hörst du die Stimme denn nicht,

diese leise Stimme?“ „Das ist einwandfrei

der Verkehrsfunk, mein Schatz,  auf NDR 2.“


„Du liebe Elvira, hast du dran gedacht

und den Haustürschlüssel zu Krauses gebracht?

Hast du abgeschlossen? Ich kann das nur hoffen.

Und sag mal, steht nicht das Klofenster offen?“


„Ach Hartmut, mein Hartmut, wie soll ich das sagen?

Diese Stimme, weißt du, stellt echt blöde Fragen?“

„Sie fragt doch nicht, Schatz, sie sagt uns doch bloß,

dass bei Kassel ein Stau ist. Ist eben viel los.“


„Sag mal, Elvira, brennt da nicht

in der Küche und auch im Bad noch das Licht?

Und hast du den Fernseher ausgemacht

und auch an die Katzenklappe gedacht?“


„Ach Hartmut, die Stimme lässt mir keine Ruh.

Ist das Katzenloch offen, ist das Klofenster zu?“

„Mein Gott, Elvira,  das kann ich nicht sagen,

Du machst das Haus. Und ich pack den Wagen.


„Elvira, wie kannst du so ruhig verreisen?

Wenn die Herdplatte glüht und das Bügeleisen...“

„Ach Hartmut, mein Hartmut. Ach, wende im Nu!

Unser Haus brennt g’rad ab und die Katze dazu!“


Den Hartmut grauset’s,  er raset zurück.

Neben ihm hängt Elvira, Verzweiflung im Blick.

Erreichen das Haus mit Müh und Not.

Die Herd ist aus. Elvira ist....  jetzt in einer Selbsthilfegruppe.



Selbstreferenziell



Die Straße meines Lebens ist zwar ramponiert.

Ich fahr sie ja auch schon seit vielen Jahren.

Doch weiß ich ungefähr, wohin sie führt

und will sie auch noch ein paar Jahre fahren.


Noch ist ja keine Straßensperre aufgebaut,

noch kann ich keine Abbruchkante finden.

Baustellen? Klar, doch die sind mir vertraut.

Doch häufen sie sich, werden kaum verschwinden,


der Straßenbau kommt nicht mehr recht voran.

Und ich muss länger vor der Ampel stehen.

Umleitungen gibt es zwar. Ja, und ich kann

die Baustellen, wenn ich es will, umgehen.


Doch ob mir da die Orientierung noch gelingt?

Ganz ehrlich? Auf ‘ner unbekannten Strecke?

Die andrerseits ein bisschen Spannung bringt,

wenn eine neue Gegend ich entdecke.


Klar, meine Reifen sind schon ziemlich alt

und fürchten jedes Schlagloch auf der Piste.

Dann such ich auf dem Seitenstreifen Halt.

Und sitz ganz still in meiner morschen Kiste.


Und seh, wie dort das rote Mohnfeld prahlt,

sich die Kastanie dehnt in ihrer Blüte.

Und da, mein altes Dorf, wie neu für mich gemalt.

Jetzt weiterfahren? Kommt nicht in die Tüte.


Ich seh im Rückspiegel, wo ich gefahren bin,

und viele Bilder tauchen aus den Straßengräben.

Gesichter, Orte schieben sich mir in den Sinn,

die einen starr und tot, doch viele blühen, leben.


Ja, meine Straße ist schon ziemlich ramponiert.

Wie lang ich sie noch fahre, werd ich kaum begreifen.

Doch ist auf meiner langen Fahrt so viel passiert.

Für diese Bilder halt ich auf dem Seitenstreifen.




Neun erhabene Momente

 

Dies neue Jahr war noch nicht dran,

Christ war noch nicht erkoren,

da fing’s schon an mit Ludwig van.

Wann war der bloß geboren?

 

Den Tauftag weiß man irgendwie,

denn das war Ludwigs Auftakt.

Er schrieb die erste Sinfonie

direkt nach diesem Taufakt.

 

Na klar, er war ja ein Genie.

Er war halt der Entrückte,

der seine zweite Sinfonie

stramm in die Windeln drückte.

 

Er war vier Jahre ungefähr,

da schöpfte der Besternte

die Dritte, als gerade er

aufs Töpfchen gehen lernte.

 

Schlagartig kam ihm Nummer vier.

Die fand der reich Gloriolte,

als Lehrer Neefe am Klavier

ihm mal den Arsch versohlte.


Die Fünfte brachte der Rubin,

als Vatern voll im Suff war.

Die Sechste kam ihm, als in Wien

mit Haydn er im Puff war.


Was er da „Pastorales“ sah,

das hat die Zeit verschliffen.

Vielleicht fand er „Erotica“

denn doch zu abgegriffen.

 

Doch lustvoll trieb die Siebte ihn.

Da war er mit Guilletta 

und seiner Schwester Josefin

zu Dritt im Bett, was nett war.

 

Die Achte, nun da war, ich glaub‘,

doch kann ich’s nicht beschwören,

er schon total entrückt und taub.

Das merkt man auch beim Hören.

 

Doch sagt‘s die Neunte nochmal fett:

Solch pralles Schöpferleben

von Windelkack bis Doppelbett

ist nur Genies gegeben.

 

Eins zeigt uns die Geschichte auch:

gottähnliche Talente

bedürfen für den Schöpfungshauch

erhabener Momente. 

                                                                                         Mozart zum Kugeln



Die neue Suite: 

             Locker zu Händeln




Und Familie gibt es auch noch...


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